von Julia Kitz
Am 28.5. war es endlich soweit: ich gehe zu meiner ersten DipCon! Nach einer nie enden wollenden fünfstündigen Fahrt mit bis zum Bersten vollen Zügen, landete ich schließlich im kleinen, wohlbeschallten Auto von Stefan, der mich zielsicher zum Tagungshaus beförderte (Danke auch nochmal hierfür ;-)) Nachdem alle eingetrudelt waren und gegessen hatten, wurde erstmal das Spielearchiv auf den Kopf gestellt. Mehrere Räume, gefüllt mit allen möglichen Spielen, vom Boden bis zur Decke, es war der Wahnsinn! Mein erstes Spiel, Roborally, war auch die ganze Zeit über mein Liebstes. Es war einfach herrlich, die Roboter namens Zoombot und Co. durch eine "Fabrikhalle" rasen zu lassen und über Fließbänder zu befördern. Nach einem weiteren Spiel, bei dem man bunte Holzsteinchen, meiner Meinung nach planlos, über das Brett schieben musste, war der Tag für mich schon um halb drei zu Ende, ich wollte ja für die erste Runde ausgeschlafen sein ;-)
Am Samstagmorgen stand nach dem Frühstück allerdings erst die Mitgliederversammlung des DDB auf dem Programm. Mit einer perfekten Computerinstallation und Power-Point-Präsentation wurden die 11, darunter 7 stimmberechtigten Teilnehmer bestens unterhalten. Es wurde eine umfangreiche Tagesordnung durchgearbeitet, die auch die Neuwahl des Vorstandes vorgesehen hatte. Da sämtliche Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt wurden, hatte auch unser Protokollschreiber Julian nicht viel zu tun ("Die Wahl wurde einmütig beschlossen"). Es wurde auch ausführlichst über die anstehenden Großprojekte des DDB berichtet, die EDC im September und die Bewerbung für die WDC 2006. Dann kam das Mittagessen und anschließend begann endlich die erste Runde, die gleichzeitig Teamrunde war. Vor der Auslosung stellte die Turnierleitung allerdings fest, dass es schwer ist, 24 Spieler auf drei Bretter zu verteilen. So kam also der Vorschlag jeweils Italien rauszunehmen, es aber nicht auf CD zu setzen, sondern z.B. im F1901 Ven-Tyr, Rom-Ven und Nap-Ion zu ziehen (oder so ähnlich ;-)) Die andere Möglichkeit war, dass drei Spieler in der ersten Runde zwei Nationen auf einmal übernehmen, aber auch für jede Partie nur halb so viel Zeit zum Verhandeln haben. Nach ausführlichen Diskussionen meldeten sich drei Spieler (die "Balubots"), die die erste Runde aussetzten. Nun wurde endlich die Länderverteilung ausgelost. Jedes Team bekam drei Nationen zugelost, wovon sich jeder aussuchen konnte, welches er nimmt. Mein Team bekam Russland, Italien und England. Ich entschied mich zielsicher für England und kam an ein Board mit Arne als Russen, der mir auch schon sofort eröffnete, nach StP zu ziehen, und das, wo ich mich schon für einen Russlandfeldzug entschieden hatte ;-) Mein erster Zug war dann auch schon das vorläufige Aus: Lon-Nth, Edi-Yor, Yor-Nrg. Einheiten vertauscht, was dadurch zustande kam, dass die Anfangseinheiten schon auf dem Zugabgabeblatt vorgedruckt waren und ich da vor lauter Aufregung was vertauscht haben muss ;-) Zum Glück ließ mich Arne nach Nwy und ich konnte schnell auf 6 Zentren erhöhen. Leider stand irgendwann der Franzose in MAt und NAt, während mir der deutsche Kaiser die hart erkämpften VZ Hol und Bel abnahm. So stand ich am Ende nur noch mit meinen Heimat-VZ da, mit dem Vorsatz, in der nächsten Partie alles richtig zu machen.
Der Sonntag war der Super-Stresstag mit den übrigen zwei Runden. Gleich nach dem Frühstück wurde ausgelost, das Ergebnis war für mich allerdings eher ernüchternd - Osmanisches Reich. Als ich mich nun endlich mit dem richtigen Board identifizieren konnte, musste ich feststellen, dass alle meine Mitspieler schon mit ihren jeweiligen Nachbarn zum Verhandeln ausgeflogen waren. Keine gute Startposition also. Zu meinem Entsetzen bahnte sich ein Lepanto an, aber eine Variation, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Ich hatte österreichische und und italienische Flotten vor meinen Küsten sitzen und von da an war das Ziel nur noch Schadensbegrenzung. Bei einem Streifzug durch den Saal bemerkte ich allerdings, dass das nicht die Runde der Sultane war, was mir leichte Hoffnungen auf den "Best Turkey"-Titel machte. Nachdem der Österreicher schon relativ früh aus dem Spiel war, wurde ich nun langsam aber sicher von Italien und Russland eingedrückt und am Ende stand die Elimination. Die später eingeleitete No-Press-Runde war dagegen eine echte Abwechslung zum harten Alltag einer deutschen Meisterschaft. Was mir in der zweiten Runde aufgefallen ist, war dass tatsächlich einige NMRs verteilt wurden, das geschah, wenn die Züge nach dem klangvollen Signal des "Dip-Timers" nach 20 Minuten nicht in der Zugabgabemappe lagen. Das hatte Haltebefehle für alle Einheiten zur Folge. Ich dachte nicht, dass die Regeln so hart ausgelegt werden, denn immerhin können Haltebefehle für den betreffenden Spieler die ganze Partie durcheinanderbringen.
Nach einer kleinen Stärkung ging es direkt weiter mit der dritten und letzten Runde, ich in der Hoffnung diesmal endlich ein Mittelland wie Österreich oder Deutschland zu bekommen. Und in der Tat, ich bekam das geliebte Deutschland zugelost. Als ich mir dann allerdings meine Mitspieler anschaute, war mir klar, dass ich aus Versehen am Top-Board gelandet sein musste ;-) irgendwie formierte sich das berühmt-berüchtigte "Western Tripple", was für meinen Teil bedeutete, die östliche Richtung einzuschlagen. Ich hinderte Russland am Einmarsch in Schweden, zog selber hin, und konnte sogar vorübergehend War erobern. Mein VZ-Höchststand betrug 7 VZ, wobei ich einfach nicht den Blick von der "Best Germany"-Medaille lassen konnte :) Aber es kam, wie es kommen musste. Ich baute eine F Kie, England fühlte sich bedroht, und schnappte mir Hol weg, es folgten weitere Zentren und Abbauten und mit jedem Herbst hatte die Partie weitere grausame Überraschungen für mich bereit. Im Herbst 1908 konnte ich nur noch meine drei Heimat-VZ ins Ziel retten. Bemerkenswert für mich in dieser Partie war noch der Tausch mit Frankreich "München gegen Paris", war echt spaßig, auch die Verhandlungen am Anfang...klasse, aber dem Stab des Herbstmonsters hatte ich nichts entgegenzusetzen. Diese Partie hat mich insgesamt echt enttäuscht, weil ich jetzt die Gewissheit hatte, dass ich leer ausgehen werde.
Nach dem Ende dieser Runde wurde schon die Teamehrung vorgenommen, da ein Mitglied des Siegerteams schon abreisen musste. Es gewannen mit großem Abstand die "Richtig Geilen" um Klaus-Dieter, Stephan und Matthias. Am späteren Abend wurde dann entspannt gegrillt und Fußball geguckt, später gabs wieder eine lockere Spielerunde, die bis tief in die Nacht dauerte.
Am Montag, dem Abreisetag, gab es noch die Siegerehrung. Zu meinem Erstaunen bekam ich den Sonder-Motivations-Preis verliehen, da ich mich offensichtlich doch nicht ganz so schlecht geschlagen hatte. Vorher dachte ich, der Sonderpreis wird an den "Best social player" verliehen, ein Spieler, der eine Runde lang freiwillig ausgesetzt hatte. Nachdem alle ihre Getränkerechnung bei Jan, dem Kassenwart bezahlt hatten, machten sich die Meisten auf dem Weg nach Hause. Da mein Zug erst Mittags abfuhr, setzten sich noch ein letztes Mal 5 Leute zu einer geselligen Runde Roborally zusammen. Später, als Stefan mich am Bahnhof abgesetzt hatte, fuhr ich wieder Richtung Heimat, stolz mit meinem Pokal im Gepäck und mit dem Gedanken, gerade die erste Con bestanden zu haben. Zum Schluss nochmal ein Dank an die Organisatoren, die dieses tolle Event verwirklicht haben. Die Leute waren alle nett und lustig drauf, das Spielearchiv war überirdisch und das Essen war essbar. Was will man mehr? Für die Partien könnt ihr ja nichts ;-) Für mich persönlich hat die NorDiC den Anstoß gegeben, auch weiterhin an FtF-Veranstaltungen teilzunehmen. Man sieht sich auf der EDC :)
